3. November 2026
Von Julian Hermes
Am Montag richtet jemand im Team eine Mailkampagne ein, die am Dienstag rausgehen soll. Die Landingpage dazu existiert noch nicht. Wer sie bauen soll, weiß von der Kampagne nichts. Genau solche Lücken kosten in Unternehmen täglich Zeit, und KI kann sie schließen, wenn sie das nötige Wissen hat. Ich bin überzeugt: Kontext Engineering wird das nächste große Thema, denn für KI gilt: Context ist Key!
Im Juni 2025 schrieb Shopify-CEO Tobi Lütke, er bevorzuge den Begriff Context Engineering (X-Post vom 19.06.2025) gegenüber Prompt Engineering. Gemeint ist die Kunst, einer KI alles an Kontext zu geben, damit die Aufgabe überhaupt lösbar wird. Andrej Karpathy griff das wenige Tage später auf, wie The Decoder am 28.06.2025 berichtete.
Der Perspektivwechsel ist klein, aber folgenreich. Es geht nicht mehr um die perfekte Formulierung einer einzelnen Anfrage. Es geht darum, was die KI bereits weiß, wenn Sie ihr die Anfrage stellen.
Mir ist klar, dass "Context ist Key" schnell missverstanden wird. Niemand muss jeder Aufgabe sein komplettes Firmenwissen mitgeben. Anthropic beschreibt in Effective context engineering for AI agents (29.09.2025), dass Kontext mehr umfasst als den Prompt: Systemanweisungen, Tool-Ausgaben, Beispiele, Verlauf. Das Ziel ist ein möglichst kleiner, aber informationsreicher Kontext.
Das deckt sich mit meiner Praxis. Oft reicht es, der KI den Pfad zu den relevanten Stellen zu zeigen, etwa über Wikilinks in Markdowndateien. Sie liest dann nach, was sie für die Aufgabe braucht. Der Rest bleibt draußen.
Bei der Particulate Solutions GmbH habe ich den personal AI Workspace als Second Brain an einen großen Teil des Teams ausgeliefert. Alle "Brains" hängen an einem gemeinsamen Team-Brain. Jeder profitiert damit vom Wissen aller.
Zurück zur Landingpage vom Anfang: Das war kein Gedankenspiel, sondern genau dort passiert. Die Person, die die Seite bauen sollte, startete mit KI. Die KI wies darauf hin, dass die Kampagne bereits geplant war und am Folgetag rausgeht. Die Seite musste also bis dahin stehen. Niemand hatte nachgefragt, niemand hatte eine Nachricht geschrieben. Die Information kam allein über das Setup.
Das hat mich begeistert. Der Wert liegt nicht im einzelnen Chat, sondern im gesammelten Wissen, das für alle verfügbar wird. Je besser das für jeden Einzelnen funktioniert, desto wertvoller wird es für das gesamte Unternehmen.
Die Nutzung von KI wächst. Laut Bitkom (Pressemitteilung vom 15.09.2025) setzen 36 Prozent der Unternehmen in Deutschland ab 20 Beschäftigten KI ein, im Vorjahr waren es 20 Prozent. Im Mittelstand nutzen laut KfW Research (Fokus Volkswirtschaft Nr. 554, 29.07.2026) 20 Prozent mindestens eine KI-Technologie. Die beiden Werte haben unterschiedliche Bezugsgrößen und sind keine gemeinsame Zeitreihe.
Mein Schluss daraus: Das Werkzeug ist da, bald haben es alle. Den Unterschied macht dann, womit Sie es füttern.
Ich will nichts schönreden. Kontext Engineering ist komplex. Ein Second Brain verteilt sich nicht von selbst, und nicht jeder im Team steigt allein ein. Man muss das Thema aktiv begleiten und jeden Menschen dort abholen, wo er steht. Wer nur Software ausliefert und hofft, dass es sich herumspricht, verschenkt den größten Teil des Nutzens.
Dieser Artikel ist mit KI-Unterstützung entstanden. Kuratiert und freigegeben von Julian Hermes.
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